Lexikon
Verwässerung
Verwässerung bezeichnet den Rückgang des prozentualen Anteils bestehender Gesellschafter, wenn neue Anteile ausgegeben werden. Der absolute Anteil bleibt gleich, der Prozentwert sinkt, weil das Unternehmen durch neue Anteile größer aufgestellt ist.

Verwässerung bedeutet, dass der Anteil eines bestehenden Gesellschafters in Prozent sinkt, wenn neue Anteile entstehen. Bei einer Finanzierungsrunde passiert das fast immer. Die Verwässerung der Gründer lässt sich berechnen: Der neue Gründeranteil ist der alte Anteil multipliziert mit dem Anteil, den die Bestandsgesellschafter nach der Runde noch halten. Bei einer Investition von 500.000 Euro auf 2.500.000 Euro Post-Money sinkt ein Gründeranteil von 60 auf 48 Prozent.
Wodurch unterscheidet sich Verwässerung von einem Anteilsverlust?
Ein Anteilsverlust entsteht durch Verkauf oder Übertragung von Anteilen. Die Anzahl der Anteile eines Gesellschafters ändert sich dabei. Bei der Verwässerung bleibt die Anzahl gleich, aber das Unternehmen gibt neue Anteile aus. Dadurch sinkt der Prozentwert, obwohl der Gesellschafter nichts verkauft hat.
Verwässerung ist nicht automatisch schlecht. Neues Kapital kann das Wachstum beschleunigen, und dann kann ein kleinerer Anteil am größeren Unternehmen mehr wert sein. Entscheidend ist, ob der Unternehmenswert stärker steigt als der Anteil sinkt. Diese Abwägung steht im Zentrum jeder Finanzierungsrunde.
Welches Beispiel zeigt die Verwässerung eines Gründeranteils?
Rechenbeispiel (frei konstruiert): Ein Gründer hält 60 Prozent des Unternehmens. Ein Investor gibt 500.000 Euro bei einer Pre-Money-Bewertung von 2.000.000 Euro. Die Post-Money-Bewertung beträgt 2.500.000 Euro, der Investorenanteil liegt bei 20 Prozent. Der Gründeranteil sinkt auf 60 Prozent mal 80 Prozent, also 48 Prozent. Die Verwässerung beträgt damit 12 Prozentpunkte.
Derselbe Gründer besitzt nach der Runde weniger Prozent, aber mehr Kapital im Unternehmen. Ob sich das lohnt, zeigt erst die spätere Bewertung.
Die Verwässerung betrifft auch die Stimmrechte. Ein Gesellschafter mit 48 Prozent besitzt zwar fast die Hälfte, verliert aber die Mehrheit, die er vorher mit 60 Prozent hatte. Solche Schwellen sind in Gesellschaftsverträgen und Beschlüssen wichtig, weil sie festlegen, wer allein entscheiden kann. Prüfen Sie diese Grenzen vor jeder Runde.
Welche Begriffe gehören zur Verwässerung?
- Dilution bezeichnet den englischen Fachbegriff für Verwässerung.
- Prozentpunkte messen die Differenz zwischen altem und neuem Anteil.
- Optionspool kann ebenfalls Anteile verwässern, wenn er aufgestockt wird.
- Anti-Dilution-Schutz begrenzt die Verwässerung bei einer Runde zu niedrigerer Bewertung.
- Pre-Money-Bewertung ist der Wert vor der neuen Investition.
Häufige Fragen zur Verwässerung
Wie berechnet man die Verwässerung?
Multiplizieren Sie den alten Anteil mit dem Anteil der Bestandsgesellschafter nach der Runde. Der Anteil der Bestandsgesellschafter ist 1 minus dem Investorenanteil. Die Formel gilt, wenn keine weiteren Anteile hinzukommen.
Kann man Verwässerung vermeiden?
Vollständig vermeiden lässt sie sich nur ohne neue Anteile. Gründer können die Verwässerung begrenzen, indem sie eine höhere Bewertung verhandeln oder nur die benötigte Summe aufnehmen.
Wer trägt die Verwässerung bei mehreren Runden?
Jede Runde verwässert alle Bestandsgesellschafter anteilig. Wer nicht mitinvestiert, verliert über Runden hinweg Prozentpunkte, während ein Gesellschafter, der nachfinanziert, seinen Anteil stabil hält.
Weiterlesen: Cap Table, Pre-Money-Bewertung und Startup-Bewertung: Methoden, Kennzahlen und Verhandlung.
Allgemeine Information, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Rechnung ist ein konstruiertes Beispiel mit frei gewählten Werten. Bewertungen und Konditionen einer echten Runde verhandeln Sie mit Beratung.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Verwässerung?
Multiplizieren Sie den alten Anteil mit dem Anteil der Bestandsgesellschafter nach der Runde. Dieser Anteil ist 1 minus dem Investorenanteil.
Kann man Verwässerung vermeiden?
Vollständig nur ohne neue Anteile. Begrenzen lässt sie sich durch eine höhere Bewertung oder eine kleinere Summe.
Wer trägt die Verwässerung bei mehreren Runden?
Jede Runde verwässert alle Bestandsgesellschafter anteilig. Wer nicht nachfinanziert, verliert über Runden hinweg Prozentpunkte.
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